Die Stille
- Simone Kunze
- 28. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Die letzten Monate in meinem Leben waren sehr turbulent.
Von allen Seiten kam Chaos, und irgendwann habe ich mich gefragt:
Was kann ich tun, damit es endlich ruhiger wird?
Lange Zeit habe ich auf alles sofort reagiert –
emotional, überladen, erschöpft.
Ich habe gekämpft, erklärt, funktioniert…doch Ruhe hat es mir nie gebracht.
Im Gegenteil:
Je mehr ich reagierte, desto mehr Unruhe entstand.
In einer toxischen Beziehung ist es nie still.
Wir leben im Dauer-Alarmmodus.
Der Körper ist angespannt, der Kopf ist immer auf Hab-Acht –
bereit für den nächsten Angriff, die nächste Laune,
den nächsten Streit, die nächste Entwertung.
Und gerade vor Weihnachten setzen wir uns zusätzlich unter Druck:
Alles soll harmonisch sein.
Alles soll schön sein.
Also backen wir Plätzchen, putzen, kochen, organisieren.
Wir geben uns Mühe –und am Ende stellen wir fest:
Es interessiert niemanden.
Alles wirkt selbstverständlich.
Und wir sind noch gestresster als vorher.
Doch wie wäre es, wenn du in der „staden Zeit“ einfach
einmal für ein paar Sekunden das Außen verlassen könntest?
Wenn du kurz davor bist, am Ende deiner Kräfte zu sein,
schließe die Augen.
Atme tief ein und wieder aus.
Beim Einatmen sag dir leise: „RU“
Beim Ausatmen: „He“
Das kannst du jederzeit tun.
Überall.
Wann immer das Außen chaotisch wird oder ein Reiz dich überfährt.
Bevor du reagierst –steig für einen Moment aus.
Nur wenige Sekunden.
Beobachte, wie es sich anfühlt.
Am Anfang wird es dir schwerfallen.
Denn du bist es gewohnt, ständig sofort zu funktionieren.
Dein Körper kennt nur Alarm, Kampf oder Anpassung.
Doch wenn du bewusst einmal nicht reagierst, sondern nur atmest,
tust du etwas, das dein System nicht kennt.
Es wird sich zuerst wehren.
Unruhe entsteht, Zappeln, Gedanken, Druck.
Doch wenn du es ein paarmal gemacht hast, wirst du merken:
Etwas beginnt sich zu verändern.
Ganz leise.
Ganz sanft.
Aber spürbar.
Früher konnte ich ohne Hörbuch nicht einschlafen.
Ich brauchte immer etwas im Hintergrund, damit ich runterfahren konnte.
Stille hat mich unruhig gemacht.
Heute ist es genau andersherum.
Jetzt genieße ich die Stille,
wenn ich abends das Licht ausmache und einfach in meinen Körper atme.
Die Stille ist mir so wichtig geworden, dass ich nicht einmal mehr Radio höre.
Aus der Stille ziehe ich meine Kraft.
Nicht, weil mein Alltag ruhiger geworden wäre –
sondern weil ich ruhiger geworden bin.
Ich nehme mir heute bewusst Zeit,
über aktuelle Themen erst einmal in der Stille nachzudenken.
Und genau dort – in dieser kurzen Pause –kommen mir mittlerweile die besten Lösungen.
Lösungen, die dafür sorgen, dass es auch im Außen leiser wird.
Stille ist keine Schwäche.
Sie ist dein erster Schritt zurück zu dir.
Und vielleicht ist genau jetzt
dein Einstieg zum Ausstieg.


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