Wenn Weihnachten mehr zeigt als Harmonie
- Simone Kunze
- 18. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Man sagt, Blut sei dicker als Wasser.
Dass Familie verbindet.
Dass man zusammenhält.
Und wir wachsen genau mit diesem Glauben auf.
Dass Zugehörigkeit etwas ist, das man nicht hinterfragt.
Dass Familie trägt – egal, wie es sich anfühlt.
Doch mit unserem Familiensystem übernehmen wir mehr als nur Namen oder Geschichten.
Wir übernehmen Rollen.
Erwartungen.
Unausgesprochene Regeln.
Muster, die schon da waren, bevor wir überhaupt bewusst entscheiden konnten.
Manches davon fühlt sich vertraut an.
Und manches schwer.
Und oft merken wir erst sehr spät, dass wir nicht nur dazugehören –sondern Verantwortung für Dinge tragen, die nie unsere waren.
Gerade an Weihnachten wird das besonders sichtbar.
Wenn Familien zusammenkommen,
soll alles harmonisch sein.
Schön.
Friedlich.
Doch statt Ruhe entsteht oft Druck.
Wer organisiert alles?
Wer arbeitet sich ab?
Wer hält die Stimmung?
Wer ist ignorant und unbeteiligt?
Oft sind es jedes Jahr dieselben Rollen.
Die gleichen Dynamiken.
Die gleichen Unstimmigkeiten.
Und wenn sich das Jahr für Jahr wiederholt, dann ist es kein Zufall und kein Weihnachtsstress.
Dann sind es Muster.
Muster, die wir übernommen haben,
weil wir dazugehören wollten.
Weil wir loyal waren.
Weil wir gelernt haben, uns anzupassen.
Doch irgendwann wird klar,
dass man nicht alles weitertragen muss, nur weil es immer so war.
Dass man entscheiden darf,
was man mitnimmt –
und was man beendet.
Du darfst hinschauen.
Und du darfst entscheiden.
Und du kannst es anders gestalten.
Nicht aus Pflicht.
Nicht aus Trotz.
Sondern aus Klarheit.
Und aus Selbstliebe.
Vielleicht ist genau diese Zeit zwischen den Jahren auch eine Einladung,
einen Blick nach vorne zu werfen.
Richtung Silvester.
Nicht im Sinne von Vorsätzen,
sondern mit einer ehrlichen Frage:
Was nehme ich mit ins neue Jahr?
Und was darf hier enden?
Nicht alles, was wir geerbt haben, muss weitergelebt werden.
Und jedes Muster, dass wir heute bewusst durchbrechen, müssen unsere Kinder nicht mehr tragen.
Ich wünsche euch allen,
ein ruhiges, ehrliches Weihnachten.
Und einen Jahreswechsel, der Raum lässt, für Entscheidungen, die euch wirklich guttun.



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